Auf der Flucht

Tarkus, der Tapfere

Tarkus, der niemals aufgibt

 

Tarkus kam im Frühjahr 2014 mit fast abgetrenntem Kopf über unsere Tierärztin zu uns. Wie er zu der Verletzung kam, ist bis heute unklar. Nach sechs Monaten wollten wir ihm die Freiheit wieder geben, und er stürzte an diesem Tag von einem Standventilator aufgrund des ersten Schlaganfalls. Durch diesen Schlaganfall hatte er ein trübes Auge, welches sich allerdings wieder klärte.

 

2015 hatte er einen Luftsackriss, wodurch er nicht mehr selbständig Futter aufnehmen konnte, da er den Kopf nicht mehr nach unten bekam, sosehr er sich auch anstrengte. Wir hielten ihm alles an Futter und Wasser höher und bauten sogar extra eine Vorrichtung, damit er selbständig bleiben sollte, aber er verstand es einfach nicht. Hinzu kam, dass er währenddessen den 2. Schlaganfall erlitt und dies war der Grund, dass er nun absolut nicht mehr alleine fressen und trinken konnte, weshalb wir ihn per Kropf zwangsernähren mussten. Nun hat er ein vergrößertes Auge und hält deswegen den Kopf schief, damit er mit seinem gesunden Auge sehen kann. Ob und wie viel er auf dem vergrößerten Auge sieht, ist unklar. Durch seinen schiefen Kopf denken viele, dass Tarkus Paramyxovirose (PMV) hat. Schlaganfall bei Tauben ist anscheinend nicht so bekannt wie bei Menschen.

 

Unser Alltag: Tarkus bekommt morgens erst mal Wasser angeboten und anschließend wird er in seinen Käfig gesetzt. Dort soll er dann Frühstücken und sich selbst beschäftigen. In seinem Käfig muss er auch bleiben, wenn niemand von uns zu Hause ist, da er durch seine Symptomatik nur unkontrolliert rückwärts fliegen kann und Gefahr läuft, sich zu verletzen, wenn er z.B. gegen Möbel oder Türen fliegt. Das Essen/Trinken dauert bei ihm länger als bei anderen Artgenossen und kostet ihn einiges an Konzentration. Genauso auch das tägliche Putzen, wobei wir ihm an vielen, für ihn unzugängliche Stellen, helfen müssen. Z.B. im Genick, entlang der Narbe. Trinken kann Tarkus während unserer Abwesenheit an seinem Zimmerbrunnen, welchen wir ihm extra ausgesucht haben, nachdem er uns fast in einer Wasserschüssel ertrunken ist. Außerdem bieten wir ihm ständig ein Schnapsglas an, was er zum Trinken sehr gut annimmt. Tarkus hat mit der Zeit auch gelernt, wie er uns anzeigt, was er will/braucht. Ist er bei uns draußen, dann steckt er seinen Schnabel zwischen zwei unserer Finger und wir wissen, er hat Durst. Will er baden, dann tut er das gleiche, bespritzt uns allerdings mit dem Wasser, welches wir ihm im Schnapsglas anbieten. Wenn er trinkt und sein Durst gelöscht ist, dann müssen wir ihm, teilweise wie bei einem Kleinkind, den Kopf gerade halten, Schnabel abwischen und über die Brust streicheln, da das Wasser in seine Nase läuft und er zu husten und niesen beginnt, da unmittelbar danach der Kopf wieder schief hängt. Hierdurch besteht die Gefahr der Aspiration.

 

Verlassen wir das Zimmer, müssen wir ihn entweder in den Käfig setzen oder mitnehmen. Alleine in einem Zimmer bleiben will er nicht. Dann kommt wieder der "Hubschrauber im Sturzflug" aus ihm heraus. Aber wenn er weiß, dass wir die Wohnung verlassen, bleibt er ruhig und entspannt in seinem Bett. Vorausgesetzt, wir verabschieden ihn und er hört die Wohnungstür. Für ihn ist alleine sein in einem Zimmer purer Stress, wenn er weiß, dass wir zu Hause sind und er nicht in seinem Käfig ist. Durch rufen und mit ihm reden koordinieren wir ihn durch die Wohnung und halten sein Stresslevel niedrig; besser ist allerdings Blickkontakt. Genauso stressig ist es für ihn, wenn wir etwas in seinen gewohnten Weg durch die Wohnung stellen. Tarkus findet sich dann sehr schwer zurecht, worauf er mit "sich drehen" und seinen "Panikflügen" reagiert. Aus diesem Grund haben wir mittlerweile in allen Zimmern ein Bett oder eine Transportbox für ihn stehen. Wenn es ihm im Wohnzimmer zu viel wird, dann sucht er sich ein Zimmer aus und legt sich in eines der Betten. Auch, wenn er sich nicht mehr zu Recht findet, dann hat er überall in der Wohnung einen Platz zum Ausruhen. Tarkus wird zu unseren Mahlzeiten in den Käfig gesetzt, da er sich angewöhnt hat, wenn wir essen, isst auch er.

Abends kommt Tarkus mit ins Schlafzimmer. Dort steht neben dem Bett eine Transportbox, in der er die Nacht verbringt. Durch seine speziellen Bedürfnisse haben wir ihn so stets und ständig im Ohr, wenn er anfängt zu flattern und können ihn umgehend beruhigen. Allerdings besteht er hier, wie auch über den ganzen Tag verteilt, auf seine Streichel- bzw. Schmuseeinheiten. Solange er diese nicht hat, wird auch unsererseits niemand zur Ruhe kommen.

 

Sein Käfig hat eine Bodenfläche von 1,5m² und ist "nur" ca. 50cm hoch. Dadurch ist weitestgehend das Risiko minimiert, dass er sich bei diversen Aktionen verletzt. Natürlich hat Tarkus auch den Drang, Nester zu bauen. Anfangs nahm er den Meerschweinchen das Heu aus dem Käfig und baute auf dem Fernsehschrank. Mittlerweile nehmen wir Bastelpappe und mit Hilfe des Aktenvernichters werden sie in Streifen geschreddert, welche nun im Käfig verbaut werden, auch wenn kein Weibchen an seiner Seite ist. Artgenossen, die momentan immer wieder bei uns zum Päppeln ankommen, die mag er gar nicht. Tarkus ist sehr eifersüchtig, wenn er sieht, wie wir uns um sie kümmern, obwohl er in dieser Zeit absolut nicht zurückstecken muss. Er hat anscheinend mit der Zeit vergessen, dass er eine Taube ist. Wenn es nach ihm ginge, käme hier nix mehr an Tieren rein, nur Menschen, denn diese wollen ihn immer kuscheln, was ihm sehr gefällt.

(Tina Vogel und Timo Pasenau von den Stadttauben Saarbrücken)

 

 

 

Luwis

Wie alles begann...

 

Auf dem Weg zur Arbeit sah ich jeden morgen eine kleine, stark humpelte Taube. Eines ihrer Füßchen war verschnürt, sie ist wohl irgendwann in einem Netz hängen geblieben und beim Versuch sich zu befreien, hatte sich ein Teil des Netzes in ihrem Füßchen verwickelt. Sie kam jeden Tag zu gleichen Zeit und suchte nach Futter. Vier Monate lang legte ich immer wieder Sonnenblumenkerne für sie hin und lockte sie so immer näher zu meinem Laden. Sie vertraute mir nun auch, aber nach ein paar erfolglosen Fangversuchen kam sie tagelang nicht mehr.

 

Was freute ich mich, als sie eines Tages wieder da war, denn ihr Füßchen sah wirklich schlimm aus, es fing schon an abzusterben. Was musste die kleine Maus für Schmerzen haben…

 

Und eines Tages saß sie vor meiner Tür. Mein Herz hüpfte vor Freude. Ich wusste,  jetzt oder nie. Und tatsächlich konnte ich sie endlich sichern (einfangen). Meine wochenlange Geduld hatte sich gelohnt.

 

Ich taufte sie Luwis und fuhr unmittelbar nach dem Sichern zu Dr. Bürkle nach Aachern (Vogelspezialist) – der Fuß sah wirklich schlimm aus. Durch meine freiwillige Arbeit bei den Stadttauben hatte ich einige Erfahrung und wusste, was zu tun ist.

 

Drei OP's mussten gemacht werden und bis auf eine waren alle Zehen abgestorben. Luwis lebte über ein Jahr bei uns, musste regelmäßig mit Medikamenten versorgt werden. Für uns war klar: Luwis bleibt! Sie muss nie mehr Hungern, keiner wird ihr je wieder Schmerzen zufügen. Als sie komplett gesund war, zog sie in eine große Voliere in den Garten um und lebt jetzt dort mit ihrem Partner. So begann mein Leben mit „eigenen“ Tauben, Tauben, die ich rettete und bei mir aufnahm, wenn sie nicht mehr in die Freiheit entlassen werden konnten. Tauben sind so liebenswerte Tiere!!!

 

(S. Woll)

 

 

 

 

 

Das Nielsje

 

Nielsje ist eigentlich ein Mädel, aber der Name passt super. Sie wurde per Hand aufgezogen... wurde lästig und im Schlag abgegeben.

 

Ein "Haustier" in der Stadt.

 

Sie fiel auf, weil sie sehr zutraulich war und auf die Schulter flog. Im Schlag kam sie mit "Artgenossen" nicht zurecht. Jetzt wohnt sie mit ihrem Fred bei Sabine Woll im betreuten Schlag im Garten. In der Stadt hätte Nielsje keine Chance, ist an dieses Leben nicht gewöhnt und würde elendig verhungern oder ihr würde durch ihre Zutraulichkeit Schlimmes zustoßen.

 

So traurig und wahr!

Wir sehen diese tollen Tiere.

Wir kämpfen für Euch.
Kein Lebewesen spaltet die Gemüter wie ihr.
Für die einen "Ungeziefer", andere lassen euch für den "Frieden" fliegen.
Für uns seid ihr liebevolle, schöne Lebewesen die ein schönes Leben verdienen.
Habt einen schönen Tag!
Denkt daran wenn ihr eine Taube seht...
Sabine Woll

 

Von Brigitte Oetl

"Wir sind Mitglied im Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Saarland e.V."

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